Lebensrollen? Wer bist du?

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien haben Esther Zeiher und P. Jesaja Langenbacher OSB einen Schulgottesdienst am EGM gefeiert.

Eine besondere Predigt gestaltete das Schulseelsorgeteam und ließ Schülerinnen und Schüler eine Krippe aus einzelnen Figuren bauen. Zu jeder Figur gab es eine besondere Interpretation, bei der jeder nachdenken konnte, wo er oder sie sich wiederfinde.

 

Der schönste Augenblick an Weihnachten ist für mich, wenn alles getan ist, wenn nichts mehr von mir erwartet wird, wenn ich einfach nur so sein kann, wie ich bin. Dann wandert mein Blick von den brennenden Kerzen am Weihnachtsbaum hinunter zur Weihnachtskrippe und ich denke mir: genau das ist dort dargestellt. Da kommen die unterschiedlichsten Typen zusammen und alle sind dort einfach nur, wie sie sind. Niemand erwartet etwas anderes von ihnen. 

Alle stehen sie gemeinsam um das Kind und sind von einem wundersamen Frieden umspielt.

Ganz ruhig, ganz bei sich und ganz beieinander.

Ich möchte gern mit euch heute eine solche Weihnachtskrippe aufbauen. Die Figuren sind alle schon hier um uns herum versammelt. Sie stehen in den Seitenkapellen der Abteikirche. Da sind lauter Marien, da finden wir die Josefs und dort eine Sammlung von Ochsen und Eseln. Jede Figur ist mannigfältig dargestellt, damit jeder sich in ihnen entdecken kann. Die Figuren spiegeln nämlich  besondere Wesenszüge wieder, Menschliches, Typisches. 

Und so schaut einmal, welche Figur ihr heute gut nachempfinden könnt, welche euch im Innersten berührt, wen ihr in diesem Jahr am besten verkörpert, welche Rolle ihr an diesem Weihnachten spielt…

 

Der Stall

Ja, ein ärmlicher Rahmen für ein großartiges Schauspiel. Ohne das Dach über dem Kopf, wäre das Neugeborene in echter Gefahr gewesen. Es hätte die Kälte vielleicht nicht überlebt. Aber der Stall ist ein Bild für Menschen, die sich um andere sorgen. Vielleicht bist Du so ein Mensch, der andere schützen möchte. Vielleicht schaust Du danach, dass alle dabei sind und keiner außen vor bleibt. Dann bist Du ein Mensch, bei dem sich andere geborgen fühlen. Dann bist Du die Hütte für Gott und gibst ihm Obdach in dieser kalten Welt.

 

Maria

Oder bist Du wie Maria? Nicht die unerreichbare Gottesmutter, sondern der Mensch, der sich für Gott öffnet. Gott ist leise, willst du ihn hören, werde ganz still, wie Maria es war. Dann hörst Du die Botschaft des Engels, der sagt: Du bist voll der Gnade, Gott ist mit Dir.

Wenn Du dieses Wort Gottes in Dir aufnimmst, Gott ist mit Dir, in Dir groß werden lässt, Gott ist mit Dir, es durchlebst, Gott ist mit Dir, auch wenn Du in Schwierigkeiten bist, Gott ist mit Dir, und wenn es Dir gut geht, Gott ist mit Dir, wenn Du das ganz und gar leben kannst, Gott ist mit Dir, dann ist er durch Dich auf die Welt gekommen. Dann bist Du wie Maria.

 

Joseph

Dargestellt ist er als der ruhige Mensch im Hintergrund. Und selbst die, die oft vorn stehen, wollen manchmal wie Joseph sein: Joseph ist einer, der sensibel hinhört. Einer der Träume hat und diese Träume ernst nimmt. Einer, der Träume umsetzt in die Tat. Gott spricht mit Joseph durch seine Träume. Das sind nicht nur schöne Träume, manche Zumutung, manche Warnung ist darin.

Doch Josef traut dieser verborgenen Wirklichkeit. Er macht keine großen Worte darum, denn er weiß: erst durch mein Tun, bekommen die Träume Gestalt, werden sie Wirklichkeit.
Vielleicht bist Du wie Joseph, der arbeitet, der geht, der klopft, der die Ärmel hochkrempelt, der Feuer anschürt, der bettet und betet. Der nach innen hört und nach außen tut.

 

Das Kind

Eigentlich ist das Kind der Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte. Manche legen zuerst das Kind in die Krippe und ordnen dem alles nach – ja. Und doch will man das Kind gleich von Maria und Josef umsorgt sehen. Denn dieses Kind ist hilflos, es ist wehrlos. Da will man es keinen Augenblick umgeschützt in den leeren Stall legen. Maria und Joseph sind schon da. Wir sind alle von Kind auf darauf angewiesen, dass jemand da ist. Wenn wir aufgewacht sind als Kleine, haben wir sofort nach Augen gesucht, die uns liebevoll anschauen. Wir haben nach Beziehung gesucht. Und auch heute ist es noch so: wir sind darauf angewiesen, dass uns Blicke treffen, die es gut mit uns meinen, die es gut meinen. Vielleicht findest Du Dich heute in dem Kind wieder, dass nach liebevollen Augen sucht. Dann merke auf: in solchen Augenblicken bist Du Gott ganz nah und er Dir.

 

Die Hirten

Die Hirten sind Menschen, die sich in Neugierde und Vorfreude auf das Leben einlassen.

Sie schuften hart – so wir viele von euch. Aber sie sind mitten in der alltäglichen Arbeit von Gott antreffbar und ansprechbar. Willst Du so sein wie die Hirten, dann hab den Mut zur Einfachheit. Erinnere Dich daran, wie Du klein warst und  Dich auf Weihnachten gefreut hast. Erinnere Dich an das klopfende Herz vor der Weihnachtstür, an die Herzensfreude, an den Wunsch, selbst zu schenken mit den kleinen Mitteln, die Du damals hattest. Du hast zeitlebens das Kind in dir. Und je mehr Du das zulässt, umso mehr Lebendigkeit kommt zu Dir zurück.

 

Die Könige

Vielleicht bist Du aber auch einer der Sterndeuter, die sich in die Höhe strecken, um mehr zu sehen, weiter, tiefer. Das sind königliche Menschen, sie haben eine ganz aufgerichtete Haltung. Und auch das steckt in jedem von uns drin: das Erhabene. Probier es einmal aus und setze Dich aufrecht und groß hin. So hat Dich Gott gemacht: Groß hat er dich gemacht. Der Allmächtige will Dich nicht klein, verkrümmt und ängstlich. Er will nicht, dass Du in den Spiegel schaust und Dich ablehnst. Er will nicht, dass Du an Dir und Deinen Gaben zweifelst. Er hat Dich  groß gemacht. Und er braucht Dich als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Deshalb, wenn Du heute wie die Sterngucker sein willst: Richte Dich auf und denke einmal so groß von Dir, wie Gott von Dir denkt. 

 

Ochs und Esel

Es waren die ersten Wesen, die neben Maria, Joseph und dem Kind lagen und das Wunder bestaunten. Wer von euch Tiere zu seinen Freunden zählt, der weiß, wie gut sie manche Schwingung aufnehmen. Im Buch des Propheten Jesaja steht der Satz: „Ochs und Esel kennen ihren Herren, aber mein Volk kennt mich nicht.“ Tiere erfassen manchmal mehr als wir Menschen.

Und vielleicht bist Du heute wie Ochs und Esel, einfach einer, der nah dran sein will am Göttlichen. Ohne zu denken und zu begreifen. Einfach nur da sein und mit dem eigenen Atem das Kindlein wärmen.

 

Engel

Der Engel schwebt über den Dingen. Er ist die unsichtbare flirrende Wirklichkeit Gottes – hier an der Weihnachtskrippe hat er deshalb eine leuchtende schwebende Gestalt. Er ist nicht von dieser Welt. Er gehört ganz zu Gottes Welt. Aber wenn wir all unsere Sinne öffnen, dann können wir den Engel auch heute wahrnehmen: Diese heilige Kraft, die von Gottes Herrlichkeit erzählt und die uns zusammenruft, damit wir vor der Krippe stehen. Hier sind wir – so unterschiedlich, so anders jeder und doch zusammengenommen in einen Frieden, der höher ist als unsere Vernunft

 

Kontakt

Jugendarbeit der
Abtei Münsterschwarzach
Schweinfurter Str. 40
97359 Münsterschwarzach

P. Jesaja Langenbacher
Tel. 0 93 24/ 20 253
Fax 0 93 24/ 20 560
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Jugendhaus Münsterklause
Telefon: 09324/ 20 611

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Veranstaltungen